Die Kunst des Philosophierens II: "MYSTIK"

Ausstellung. Film. Veranstaltungen

(In Planung für Herbst 2021)

Über ein ziemlich vergessenes Potential der menschlichen Natur und einen alternativen Weg philosophischen Denkens. 

„Die wahren Abenteuer sind im Kopf“

textete Andre Heller 1979 in einem Lied und formulierte damit vermutlich eher beiläufig eine Quintessenz dessen, was mit dem alten Begriff Mystik ursprünglich bezeichnet wird.

Im aktuellen Sprachgebrauch findet man ihn zumeist als Umschreibung diffuser, unrealer und wissenschaftlich nicht haltbarer Inhalte, oft mit negativer Konnotation. Selbst vom Verschwörungs:mystiker ist da schon mal die Rede. Aufklärung ist geboten!

Der eigentliche Sinngehalt des Begriffes ist heute selten vorhanden, oft ins Gegenteil verzerrt. Dies ist prinzipiell nicht verwunderlich, in unserer Zeit, in der man sein Heil überwiegend in der Beherrschung äußerer Umstände sucht. Doch selbst hinter dem oft denunziativen Sprachgebrauch bleibt der eigentliche Bedeutungsgehalt spürbar.

Mystik (abgeleitet vom griechischen myein = die Augen schließen) ist in seiner ursprünglichen Bedeutung der Sammelbegriff für eine Form alternativen Denkens zu den, in der Regel dinghaft orientierten materialistischen Einstellungen des Menschen.

So entstanden zu allen Zeiten und Kulturen als Kontrapunkte zu den autoritären Weltreligionen und Herrschaftssystemen, auch Denktraditionen, die als Ausgangspunkt die Welt zu verstehen nicht äußere Objekte wählten, sondern die Suche bei eigenen inneren Seins-Erfahrungen begannen. Denn bei allem verständlichem Bedürfnis nach Sicherheit und Objektivität bleibt er unumstößlicher Ausgangspunkt unseres Seins: dass Mensch sich und seine existenziellen Lebensbedingungen nicht selbst macht.

Bekannte Beispiele dieser alternativen Weise des Weltzugangs, einer sozusagen introvertierten Abenteuerlust, sind z.B. in den Überlieferungen von Gautama Buddha, des Neuplatonikers Plotin und des christlichen Mystikers Meister Eckhardt zu finden. Viele dieser Beschreibungen sind in ihrem inneren Wesen erstaunlich verwandt.

Zwei zentrale und immer wiederkehrende Befunde dieser Innenschau sind: die Entdeckung der Verbundenheit mit den, sinnlich nur objekthaft erlebten anderen Individuen, wie es die berühmten hinduistischen Worte „tat tvam asi“ anschaulich ausdrücken: Dies bist Du, sowie ein, scheinbar paradoxes, kritisches Hinterfragen des eigenen Denkens und ein damit verbundenes Desidentifizieren mit dem Ego.

Mit diesen Kernbedeutung zielt mystisches Denken auch auf die Schnittstelle zwischen Philosophie und Kunst.

Genau dort soll die geplante Ausstellung ansetzen. Original-Texte, z.B. von Meister Eckardt, dem indischen Philosophen Krishnamurti, der Französin Simone Weil und dem englischen Schriftsteller Aldous Huxley, bilden Impulse für unterschiedliche zeitgenössische künstlerische Reflexionen.

 

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